Sponsae Christi

Ein jegliches hat seine Zeit, Schweigen und Reden. Die Zeit des Fernsehens ist die Redezeit. Die Zeit der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal ist die des Schweigens. / Wie der Autor die schweigsamen Schwestern zum Reden bringt, ist ein kleines Wunder. Sie erzählen von ihren Arbeiten und von ihren Gebeten. Alle Tätigkeiten und alle Wort verweisen noch auf etwas anderes. Davon können sie nicht erzählen. / Aber sie erzählen warum sie davon nicht erzählen. Sie befolgen die Regeln des heiligen Benedikt: Ora et labora.Aber sie folgen einer Berufung. Und eine Berufung, wie eine der Schwestern sagt, "kann man nicht erklären, sondern nur erfüllen". Das Kloster verwirft die Welt: den Lärm und die Zerstreuung. Dieser Film verwirft das Fernsehen: er ist leise und konzentriert. Aber das Zeugnis der Zisterzienserinnen macht alle Oppositionen zunichte. Sie sind zum Schweigen verpflichtet, aber lieben das Gespräch.Sie sind Bräute Christi, aber dürfen sich den Bräutigam als Mann vorstellen, "als Person, nicht als Superathleten". Sie drehen der Welt den Rücken zu, aber zeigen uns ihre Gesichter. Die äußerste Konformität im Kloster entpuppt sich als Schutzmantel eines extremen Individualismus: eine Schwester, "nicht mehr bereit, sich dem Draußen zu fügen", findet in der Gemeinschaft "die Möglichkeit, so zu leben, wie man sich das vorstellt". Die Gegenwelt des Klosters ist ein ferner Spiegel unserer Welt.

Archivnummer HDF000253
weitere Titel:
Untertitel: Die Bräute Christi
Filmschaffende
Thomas Riedelsheimer (Autor/in)
Thomas Riedelsheimer (Regisseur/in)
Thomas Riedelsheimer (Kamera)
Thomas Riedelsheimer (Cutter/in)
Das kleine Fernsehspiel (Redaktion)
Donop, Annedore von (Redaktion)
Datierung 11.02.1992
Länge 67'00"
Formate
Super VHS Farbig
Farbe Farbig
Ton
Kategorien RELIGION, GESELLSCHAFT UND SOZIALES, MEDIEN
Schlagwörter
Eintragdatum: 27.04.1993
Änderungsdatum: 24.05.1994